Boualem Sansal: Vom Arabischen Frühling bleiben nur die Islamisten

“Der Arabische Frühling ist vorbei, es bleibt nichts von ihm.” Diese ernüchternde Einschätzung äußert Boualem Sansal, der bekannteste Schriftsteller des frankophonen Afrikas, in einem Pressebeitrag. “Viele derer, die für die Demokratie gekämpft haben, haben sich den Islamisten angenähert. Andere halten sich bedeckt oder bereiten sich auf das Exil vor, und die wenig zahlreichen und sehr isolierten Unbelehrbaren beginnen unter der Repression zu leiden.”

Beim aktuellen Stand der Dinge sei schwer einzuschätzen, welche Richtung die Islamisten an der Macht einschlagen werden, so der Schriftsteller weiter. “Sie verfügen über keine anderen Vorbilder als das türkische und das iranische Modell, die beide nicht auf die arabische Welt übertragbar sind, deren institutionelle, politische, kulturelle, wirtschaftliche und bildungspolitischen Schwächen enorm sind. Ihr tatsächliche Regierungsfähigkeit wird langfristig gering bleiben. Angesichts der Unzufriedenheit des Volkes, die steigen wird, werden sie eher versucht sein, radikaler zu werden statt besser.”

Sansal wurde 1949 in Algerien geboren, wo er auch heute noch lebt. Zu seinen bedeutendsten Büchern zählen die Romane “Das Dorf des Deutschen” und “Rue Darwin”. 2011 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

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