Till-Reimer Stoldt: “Ohnmacht” gegen Salafisten ist offenkundig

Der islamkritische Journalist Till-Reimer Stoldt hält dem Innenminister des Landes NRW, Ralf Jäger, dessen Ohnmacht gegenüber dem Salafismus vor.  So äußerst sich Stoldt in seinem aktuellen Artikel in der Zeitung “Die Welt”. Abhilfe soll jetzt ein Präventions- und Aussteigerprogramm schaffen, das Jäger Anfang der Woche vorstellte. Wobei der Minister die Wirksamkeit dieses Projekts laut Stoldt gleich wieder begrenzte.

Laut Stoldt sei es ein Fehler gewesen, dass Jäger ausgerechnet das Aussteigerprogramm für Rechtsextreme zum Vorbild erhob. Dieses Programm betreut derzeit 40 Rechtsextreme in NRW. Doch die Zahl rechtsextremer Straf- und Gewalttaten konnte es nicht senken. Die stiegen sogar leicht an.  “Jägers Ohnmacht ist offenkundig”, so Stoldt. Gleichwohl möchte Jäger den Versuch wagen. Daher werden nun zunächst in den Pilotstädten Bonn, Düsseldorf und Bochum, später in allen wichtigen Kommunen Kontaktpersonen auf Landeskosten installiert.

Stoldt: Gleichsetzung mit Evangelikalen bedeutet Verharmlosung der Salafisten

Der Journalist Till-Reimer Stoldt, Preisträger des Christlichen Medienverbunds, kritisiert in seinem heutigen Beitrag in der “Welt”, dass Salafisten zunehmend als “Evangelikale des Islams” dargestellt werden. “Diese fatale Gleichsetzung von Evangelikalen und Salafisten hat nun die gesellschaftliche Mitte erreicht”, verurteilt Stoldt die öffentliche Diskussion der vergangenen Wochen. 

Stoldt räumt ein, dass ihr Glaubensernst und das wörtliche Verständnis von Bibel bzw. Koran beide Gruppen auf den ersten Blick verbindet: “Trotzdem führt kein Weg an dem Befund vorbei: Wer bei Evangelikalen und Salafisten Gemeinsamkeiten anstelle von Unterschieden hervorhebt, der verzerrt die Realität, verharmlost die Herausforderung durch den hiesigen Verbandsislam und verunglimpft eine Bevölkerungsgruppe.”

salafismusLaut NRW-Verfassungsschutz halten Salafisten Gewalt für legitim, um den vermeintlichen Willen Gottes zu befolgen, betont Stoldt. “Tatsächlich sind aus ihren Reihen auch Terroristen, Gewalttäter und Gewaltprediger in beachtlicher Zahl hervorgegangen. Das kann kaum verwundern, verstehen sie ihre heiligen Texte doch, wie die Verfassungsschützer warnen, uneingeschränkt buchstäblich – was auch für Prophetenaussprüche gilt, nach denen Ehebrecher, Homosexuelle, Ex-Muslime oder ganz allgemein “Unheilstifter” getötet werden müssten. Deswegen werden Salafisten von den staatlichen Sicherheitsdiensten auch überwacht.”

Ganz anders seien die rund 1,5 Millionen evangelikalen Christen in Deutschland einzuschätzen, so Stoldt: “Ohne Abstriche bekennen sich alle evangelikalen Organisationen hierzulande zu Rechtsstaat und Menschenrechten.” Und weiter: “Evangelikale kämpften und kämpfen also auch für das Recht, sich vom Christentum zu verabschieden. Dagegen fordern salafistische Prediger die Todesstrafe, falls ein Muslim die Religionsfreiheit beansprucht und vom Islam abfällt. Ergibt es Sinn, den Unterschied zwischen Freunden und Feinden der Menschenrechte mit “Die-sind-doch-alle-gleich”-Parolen wegzuwischen?”

Stoldt kritisiert auch den in Deutschland einflussreichen Muslimverband Ditib: “Diese vom türkischen Staat gelenkte und zum Teil finanzierte Organisation wagt es, vor der vermeintlichen evangelikalen Gefahr zu warnen, während der türkische Staat systematisch nichtmuslimische Minderheiten schikaniert und diskriminiert. Mit Verlaub: Stünden diese drei Muslimverbände samt ihren ausländischen Unterstützern so kompromisslos hinter der weltweiten Durchsetzung der Menschenrechte wie die deutschen Evangelikalen, wäre diese Welt ein schönerer Ort.”

Mit dem Medienpreis “Goldener Kompass” des Christlichen Medienverbunds ist Stoldt im Jahr 2008 ausgezeichnet worden. Hiermit gewürdigt wurden seine viel beachteten Beiträge über die Gefahren von Muslimen, die in Deutschland zum Christentum konvertierten. Stoldt hat überwiegend für “Welt” und “Welt am Sonntag” geschrieben.